Galerie Ausstellung "Die Ferne ist so nah" von Wolfgang Liebert im Museum Alexandrowka.
NAUENER VORSTADT I Ostern 1984 auf Leo Tolstois Landsitz Jasnaja Poljana in der Nähe Tulas. Aprilschnee hat die Apfelbäume, die der große russische Schriftsteller zum Teil noch selbst pflanzte, in einen zarten Schleier gehüllt. Fasziniert von dem märchenhaften Anblick hat der Potsdamer Maler und Grafiker Wolfgang Liebert (63) des Dichters Apfelgarten damals mit dem Pinsel festgehalten. Das Bild ist in der Ausstellung "Die Ferne ist so nah" zu sehen, die gestern im Museum A1exandrowka eröffnet wurde.
Die Exposition zeigt im Wechsel 30 Kunstwerke - vor allem Pastelle auf Velourpapier, eine Technik, die Liebert wegen ihres warmen, samtigen Tons besonders mag, aber auch einige Ölgemälde, die größtenteils von 1980 bis 1990 in der damaligen Sowjetunion entstanden. Neben Tolstois Apfelgarten Motive, wie die Auferstehungskirche von St. Petersburg, Landschaften und abgelegene Dörfer in Karelien, zerfallene Fischer. hütten. "Keine Porträts, aber Spuren, die der Mensch in Form von Bauwerken hinterlassen hat", sagt der Künstler, der die russische Seele ergründen wollte und das riesige Land schon seit 1970 zu verschiedenen Jahreszeiten bereiste.
Lieberts Interesse wuchs mit der Kindheit. "Ich wohnte damals in der Rembrandtstraße, in der Nähe der Kommandantur, und wir Kinder kletterten oft in die Autos der sowjetischen Offiziere und unterhielten uns mit ihnen mit Händen und Füßen", erzählt der Potsdamer. Als Jugendlicher beeindruckten ihn die Bücher Gogols, Tolstois und Turgenjews, aber auch Filme, wie "Der stille Don" und "Die Kraniche ziehn". Besonders fasziniert aber hat ihn die Lebenseinstellung der Menschen. "Sie sehen sich als ein Teil der Natur, nicht als ihr Beherrscher. Und durch diese Demut der Natur gegenÜber entsteht eine innere Ruhe und Gelassenheit. Die Menschen sind sehr warmherzig und besitzen die Fähigkeit mit wenigem auszukommen und das Beste daraus zu machen".
Wolfgang Liebert, der an der Kunsthochschule Berlin Weißensee studierte, seit 1969 an zahlreichen Ausstellungen im 10- und Ausland beteiligt war, hat ab 1973 freischaffend gearbeitet. Er lehrte an der Fachschule für Werbung und Gestaltung und nach der Wende an der Fachhochschule Potsdam. Heute ist er als freier Maler tätig.
Zurzeit beschäftigt er sich mit dem Thema "Endlichkeit der menschlichen Existenz".
"Ars langa - vita brewe", "Die Kunst ist lang, das Leben kurz" ist das Credo für mich, sagt Liebert.